Mir ist etwas aufgefallen.

Hier gibt es gefühlte 100 Pro-Ana-Blogs.

Gefühlte 90 der Mädchen nehmen im Schnitt nicht ab. Trotzdem sagen sie, "Ich habe Magersucht". Viele wechseln auch zu einfach zu "Ich habe eine Essstörung", weil sie medizinisch gesehen einfach keine Kriterien für eine Magersucht erfüllen. Sie haben mit Sicherheit ein gestörtes Verhältnis zum Essen, das möchte ich gar nicht abstreiten, aber eine Magersucht? Klingt nicht gerade glaubwürdig. Magersucht bedeutet doch, dass man süchtig danach ist, mager zu sein. Man sieht sich selbst im Spiegel total verzerrt, unwirklich. Jedes kleinste bisschen Fett erscheint wie ein riesiger Berg. Das ist keine kleine Diät. Man denkt nicht einfach: "Ein bisschen zu dich bin ich irgendwie doch." und macht dann kurzzeitig ein bisschen mehr Sport. Und irgendwo fühlt sich doch jeder zu dick, oder nicht? Erst recht als Teenager. Wieso stufen diese 90 Menschen sich direkt als magersüchtig ein?

Die anderen 10 haben nämlich ein ernsthaftes Problem. Sie hungern. So lange, bis sie nicht mehr hungern können. Morgens ist der erste Gang der zur Waage. Und es ist ein Weltuntergang, wenn nicht mindestens 100 Gramm runter sind. Wie umgehe ich das Frühstück? Wie verheimliche ich anderen meinen ekelhaft fetten Körper, der eigentlich schon klapperdürr ist? Wenn sie mal etwas essen, versuchen sie, es irgendwie wieder los zu werden. Aber da es heutzutage "normal" ist "eine Essstörung" zu haben, werden sie nicht wahrgenommen. Schließlich haben hier ja 100 Mädchen so etwas und die leben alle noch, scheinen keine ernsthaften Gesundheitsprobleme zu haben und somit kann das Ganze ja nicht so schlimm sein. Dass der kleine Teil, der ernsthaft erkrankt ist, leidet und Hilfe braucht, geht völlig verloren. Niemand kümmert sich mehr um diese Menschen, weil es zu viele gibt, die scheinbar das Gleiche haben und auch alleine damit klarkommen.

Gefühlte 50% der Menschen um mich herum "haben Migräne".

Mehr als die Hälfte von ihnen geht trotz Migräne zur Schule. Oder sie rufen persönlich bei mir an, erklären mir ausführlich, sie hätten einen Migräneanfall und könnten deswegen leider nicht zur Schule. Oder sie fangen fünf Minuten nachdem sie gesagt haben "Ich glaube, ich kriege Migräne", eine hitzige Diskussion anfangen. Einige gehen sogar mit Migräne zum Sport oder in die Stadt.

Die Anderen liegen bei einem Migräneanfall den ganzen Tag bei geschlossenen Rolläden in ihrem Bett und hoffen, dass niemand die Tür öffnet, da jedes Geräusch quälend ist. Sie schaffen es vielleicht gerade noch, eine SMS zu schreiben, in der kurz und knapp steht "Ich kann heute nicht, hab Migräne, sry." Sie leiden den ganzen Tag, müssen sich teilweise sogar übergeben. Niemand, der das nicht einmal miterlebt hat, kann diese Schmerzen nachvollziehen.

Wenn jemand sagt, er hätte Migräne, denken die Meisten an die erste Gruppe. Die, die trotzdem alles machen kann, mal eben eine Schmerztablette einwirft und alles ist gut.Sie können auch mit Migräne feiern gehen und Spaß haben. Dadurch nehmen sie die zweite Gruppe nicht mehr ernst. "Übertreib doch nicht." "Ist doch nur Migräne." "Das bisschen Kopfschmerzen." Dadurch wird diese wirklich schlimme Krankheit runtergespielt. Die Betroffenen leiden nicht mehr nur unter der Krankheit sondern auch darunter, dass sie nicht ernst genommen werden.

Ich habe weder eine Essstörung noch Magersucht. Und ich habe auch keine Migräne. 

Mir ist nur etwas aufgefallen.